Warum Jungs
Die Jungs sind in diesem Schulsystem die Verlierer. Das ist kein Gefühl – das ist Fakt.
Die Bildungsstatistik ist eindeutig. Jungs verlassen die Schule häufiger mit dem niedrigeren Abschluss, wiederholen häufiger eine Klasse und lesen im Schnitt schwächer. Das Abitur machen heute mehr junge Frauen als junge Männer. Das bedeutet nicht, dass Jungs weniger intelligent wären. Es bedeutet, dass Unterricht und Bewertung so gebaut sind, dass Jungs in der Sekundarstufe I systematisch schlechter abschneiden.
Der Unterricht ist stark sprachlich und sozial organisiert: Gesprächskreis, Gruppenarbeit, Referat, lange Phasen des Still-Sitzens. Benotet wird nicht nur Fachwissen, sondern Mitarbeit, Heftführung und die Fähigkeit, sich vor anderen zu zeigen. Jungs in Klasse 5 bis 10 lernen häufig andersherum: erst eine Aufgabe lösen, dann darüber sprechen. Wer reden soll, bevor er begriffen hat, steigt innerlich aus. Die Note folgt dann dem Verhalten, nicht dem, was er kann.
Entwicklungspsychologisch kommt ein zweiter Punkt hinzu. Die Pubertät setzt bei Jungs später ein. Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Schlaf sind in diesen Jahren unruhig; der Stundenplan ist es nicht. Unruhe und Müdigkeit werden leicht als Unlust gelesen. Pädagogisch ist das ein Entwicklungsunterschied, kein Charakterurteil.
Deshalb arbeite ich mit Jungs. Ich kenne diese Altersgruppe aus der Schule und aus der Jugendarbeit. Der Lehrplan bleibt verbindlich. Verändert wird der Weg: erst feststellen, was der Junge kann, dann die Methode wählen, den Erfolg prüfen – bis er selbstständig lernt. Manchmal die direkte Route, manchmal die längere. Wenn es klemmt, weichen wir aus. Das Ziel ist der Stoff der Schule, nicht ein anderer Unterricht.
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Abitur 2024: 55 % Frauen, 45 % Männer.
Beim Ersten Schulabschluss (Klasse 9) ist es umgekehrt: 59 % Jungen. Je niedriger der Abschluss, desto mehr Jungen. (Destatis, Aug. 2026)
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Lesen ist der größte nachweisbare Abstand.
PISA 2022: Mädchen in Deutschland rund 19 Punkte vorn. PISA 2025: 25 Punkte (478 zu 453). 35 % der Jungen kommen beim Lesen nicht über die Basisstufe, bei den Mädchen 27 %. (OECD / ZIB)
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Sitzenbleiben: 56 % Jungen.
Schuljahr 2024/25. Zwei von drei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind Jungen – besonders hoch beim Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. (Destatis, KMK)
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Können und Note fallen oft auseinander.
PISA: In Mathematik liegen die Jungs im Schnitt leicht vorn (11 Punkte). In den Zeugnissen zeigt sich das oft nicht, weil Mitarbeit und Sozialformen mitbewertet werden.
Handlungsorientiert unterrichten
Kooperative Sozialformen setzen voraus, dass man sich sprachlich schon sicher bewegt.
In der Förderung kehren wir die Reihenfolge um: eine überschaubare Aufgabe, ein sichtbares Ergebnis,
danach die Sprache dazu. Wer etwas verstanden hat, kann es auch sagen.
Entwicklung ernst nehmen
Der Wachstumsgipfel liegt bei Jungs im Schnitt rund zwei Jahre später als bei Mädchen.
In Klasse 5 bis 10 ist das oft genau die Phase, in der Sitzruhe und lange Gesprächsphasen
am meisten abverlangt werden. Die Stunde wird deshalb in kurze, klare Abschnitte gegliedert –
ohne Bloßstellung vor der Gruppe.
Das Angebot gilt Jungs in Klasse 5 bis 10. Ziel der Arbeit ist, dass die Förderung überflüssig wird:
der Junge hat gelernt zu lernen und kommt im Unterricht der Schule zurecht.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung N059/2026 (Schulabschlüsse 2024, Wiederholer 2024/25);
OECD/ZIB PISA 2022 und PISA 2025 (Lesen, Mathematik);
bpb, Abiturquoten nach Geschlecht (langfristiger Umschwung seit den 1980ern);
KMK, sonderpädagogische Förderung.